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Text- und Bildnarrativ eines Genozids

Kritische Edition des schriftlichen und fotografischen Nachlasses von Lothar von Trotha, Oberkommandierender der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika 1904 bis 1905


Gefördert von der DFG

Das Projekt umfasst die Aufarbeitung und kritische Edition des schriftlichen sowie fotografischen Nachlasses des Generalleutnants Lothar von Trotha, der von Mai 1904 bis November 1905 das Kommando über die „Kaiserliche Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika“ führte und somit maßgeblichen Anteil an der Niederschlagung der sogenannten Aufstände der OvaHerero und Nama (1904-1908) hatte. Durch die Verhängung des Kriegsrechts besaß Trotha de facto diktatorische Vollmachten und gilt daher zu Recht als der Hauptverantwortliche des ersten Völkermords des 20. Jahrhunderts, des Völkermords an den OvaHerero.

Nicht zuletzt das zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Namibia im Mai 2021 geschlossene Versöhnungsabkommen rückte die koloniale Vergangenheit Deutschlands wieder in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung und lenkte die Aufmerksamkeit auf Krieg(e) und Genozid(e) in der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“. Zu diesem hochaktuellen Thema, das Wissenschaft, Öffentlichkeit, Politik und Gerichte gleichermaßen beschäftigt, will dieses Projekt einen Beitrag leisten.

Generationen von Historiker:innen bemühten sich vergeblich um Einsicht in den den Nachlass Lothar von Trothas, und namibische Opferverbände forderten jüngst wieder die Herausgabe seines Tagebuchs. Das beantragte Projekt kommt dieser Forderung in umfassender Weise nach und zielt so auf einen Beitrag zur Historiographie der verheerenden Kriege, die Namibia bis zum heutigen Tage zeichnen, indem es Quellen von hoher Relevanz in die Debatte einbringt: Neben dem bisher nicht zugänglichen Original des südwestafrikanischen Tagebuchs umfasst der Nachlass tausende handschriftliche Seiten sowie zahlreiche Fotos, die bisher gänzlich unbekannt waren. Darüber hinaus strebt das Projekt die Edition des persönlichen Fotoalbums des Oberkommandierenden mit dem Titel „Bilder aus dem Krieg in Südwestafrika von Generalleutnant v. Trotha“ an.

Als Verwalter des Nachlasses gewährt der Familienverband von Trotha der Forschung erstmalig umfassenden Einblick in den Nachlass Lothar von Trothas und überlässt den Projektbearbeitern das Tagebuch sowie weitere Materialien für eine kritische Edition. Auch das handschriftliche Original des Tagebuches wird der Öffentlichkeit in geeigneter Weise zugänglich gemacht werden, um so die Überprüfbarkeit der Edition zu gewährleisten. Mit diesem Projekt wird der Wissenschaftsgemeinschaft sowie der interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit geboten, nähere Aufschlüsse über das Wirken des Oberkommandierenden und damit über die Eskalation des Krieges und der Entfesselung genozidaler Gewalt zu gewinnen. Angesichts der stellenweise prekären Quellenlage verspricht dieses Vorhaben einen hohen Erkenntniszugewinn.

Projektrelevante Publikationen der Bearbeiter und aus dem IDG:

Journal of Namibian Studies. History, Politics, Culture (JNS), 2007– , hrsg. von A. Eckl


Monographien und Aufsätze:
• Dekolonisieren heißt differenzieren. Die komplexe Vernichtungsgeschichte der OvaHerero und Nama, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 10, 2021, S. 113-120 (A. Eckl, M. Häussler).
• The Herero Genocide. War, Emotion, and Extreme Violence in Colonial Namibia. Oxford und New York: Berghahn Books 2021 (M. Häussler).
• „S’ist ein übles Land hier.“ Tagebuchaufzeichnungen aus dem Herero-Krieg in Deutsch-Südwestafrika 1904 von Georg Hillebrecht und Franz Ritter von Epp, Bochum: Welwitschia Verlag (Neuauflage in zwei Einzelbänden) 2021 (zuerst: Köln 2004) (A. Eckl)
• "Man wird wohl später sich schämen müssen, in China gewesen zu sein". Tagebuchaufzeichnungen des Assistenzarztes Dr. Georg Hillebrecht aus dem Boxerkrieg 1900 – 1902, Bochum: Welwitschia Verlag, 2021 (zuerst: Essen 2006) (A. Eckl).
• The Herero and Nama in German South-West Africa (1830–1910). In: Helbling, Jürg/ Schwoerer, Tobias (Hg.): The Ending of Tribal Wars Configurations and Processes of Pacification, New York und London: Routledge, S. 56-80 (M. Häussler).
• Empire and Genocide. In: Bloxham, Donald/ A. Dirk Moses (Hg.): The Oxford Handbook of Genocide Studies. 2. Aufl., Oxford: Oxford University Press 2021 (M. Häussler mit Andreas Stucki und Lorenzo Veracini).
• Narratives of genocide: Lothar von Trotha’s written and photographic legacy. A critical edition in preparation, zusammen mit Matthias Häussler, in: Journal of Namibian Studies, 28, 2020, S. 93-102 (A. Eckl, M. Häussler).
• „Scheißdreck ist Trumpf”. Gerhard von Brünneck’s diary entries and letters from South West Africa, Mai – August 1904, in: Journal of Namibian Studies, 28, 2020, S. 117-125 (A. Eckl).
• „Hide my children”. Samuel Maharero’s letter to the Resident Magistrate, 28 September 1904, in: Journal of Namibian Studies, 27, 2020, S. 125-133 (A. Eckl, M. Häußler und Jekura Kavari).
• „Fort mit Trotha!” A series of articles in the Vorwärts in August 1905 on Lothar von Trothas edict ‘Words to the Ovaherero people’ also known as ‘extermination order’, in: Journal of Namibian Studies, 26, 2019, S. 109-118 (A. Eckl).
• Letter diary of Adolf Auffahrt, Zahlmeister in the Kaiserliche Schutztruppe for South West Africa, December 1904 – April 1905, in: Journal of Namibian Studies, 25, 2019, S. 101-119 (A. Eckl).
• Oomambo wandje komuhoko wOvaherero. Lothar von Trotha’s ‘Words to the Ovaherero people`, Journal of Namibian Studies, 23, 2018, S. 125-133 (A. Eckl, M. Häussler und Jekura Kavari).
• Der Genozid an den Herero. Krieg, Emotion und extreme Gewalt in ‚Deutsch-Südwestafrika‘. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2018 (M. Häussler).
• „Collaboration” or Sabotage? The Settlers in German Southwest Africa between Colonial State and Indigenous Polities. In: Bührer, Tanja/ Eichmann, Flavio/ Stuchtey, Benedikt (Hg.): Cooperation and Empire. Oxford und New York: Berghahn Books 2017, S. 169-193 (M. Häussler).
• Narrative der Vernichtung um 1900, in: Knocke, Roy/ Glöckner, Olaf (Hg.): Das Zeitalter der Genozide. Ursprünge, Formen und Folgen politischer Gewalt im 20. Jahrhundert, Berlin: Duncker und Humblot 2017, S. 239-252 (M. Brehl).
• Warum die Herero mit den Deutschen kooperierten. Zur ‚Pazifizierung’ einer akephalen Gesellschaft. In: Mittelweg 36, 24/4, S. 86-108 (M. Häussler).
• „Kultur der Grausamkeit“ und die Dynamik „eradierender Praktiken“. Ein Beitrag zur Erforschung extremer Gewalt. In: Sociologus, 63 (2013), 147-169 (M. Häussler).
• Zwischen Vernichtung und Pardon: Die Konzentrationslager in „Deutsch-Südwestafrika“ (1904-08). In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 61 (2013), 7/8, S. 601-620 (M. Häussler).
• Figures of Disintegration. „Half-Castes“ and „Frontiersmen“ in German Colonial Literature on South-West Africa, in: Journal of Namibian Studies 12, 2012, S. 7-27 (M. Brehl).
• Diskursereignis „Herero-Aufstand“. Konstruktion, Strategien der Authentifizierung, Sinnzuschreibungen, in: Warnke, Ingo H. (Hg.): Deutsche Sprache und Kolonialismus. Aspekte nationaler Kommunikation 1884/85-1919, Berlin/New York NY: de Gruyter 2009, S. 167-202 (M. Brehl).
• The Herero genocide of 1904: Source-critical and methodological considerations, in: Journal of Namibian Studies. History, Politics, Culture, 3, 2008, S. 31-61 (A. Eckl).
• „The drama was played out on the dark stage of the sandveldt“. The destruction of the Herero and Nama in German (popular) Literture, in: Zimmerer, Jürgen/ Zeller, Joachim (Hg.): Genocide in German South-West Africa. The Colonial War of 1904-1908 and its aftermath, Monmouth: Merlin Press 2008, S. 100-112 (M. Brehl).
• Vernichtung der Herero. Diskurse der Gewalt in der deutschen Kolonialliteratur, München: Wilhelm Fink 2007 (M. Brehl).
• Konzeptionen katholischer und evangelischer Missionsphotographie. Bilder aus der südwestafrikanischen Herero-Mission und der nordbrasilianischen Mundurukú-Mission, in: Günter Bernhardt, (Hrsg.), Die Ferne im Blick. Westfälisch-lippische Sammlungen zur Fotografie aus Mission und Kolonien, Münster, 2006, S. 114-137 (A. Eckl).
• „Ora et labora.“ Katholische Missionsfotografien aus den afrikanischen Kolonien, in: Marianne Bechhaus-Gerst und Sunna Gieseke, (Hrsg.), Koloniale und postkoloniale Konstruktionen von Afrika und Menschen afrikanischer Herkunft in der deutschen Alltagskultur, Frankfurt/Main u.a., 2006, S. 231-249 (A. Eckl).
• „Zu leben, nur um da zu sein, hat niemand ein Recht.“ Der Kolonialkrieg mit dem Volk der Herero 1904 im Spiegel kolonialpropagandistischer Literatur der NS-Zeit, in: Christof Hamann, (Hrsg.), Afrika – Kultur und Gewalt. Hintergründe und Aktualität des Kolonial-krieges in Deutsch-Südwestafrika. Seine Rezeption in Literatur, Wissenschaft und Populärkultur (1904–2004), Iserlohn, 2005, S. 159-189 (A. Eckl).
• Strategies of Exclusion: The Genocide of the Herero in German Colonial Discourse, in: Kinloch, Graham C./ Mohan, Raj P. (Hg.): Genocide: Approaches, Case Studies and Responses, New York NY: Algora 2005, S. 143-162 (M. Brehl).
• National-koloniale Konstruktionen in politischen Entwürfen des Deutschen Reichs um 1900, in: ders./ Gründer, Horst/ Ketelsen, Uwe-K. (Hg.): Kolonialismus. Kolonialdiskurs und Genozid, München: Wilhelm Fink 2004, S. 19-66 (M. Dabag).
• „Ich denke, die haben Ihnen zum Tode verholfen“. Koloniale Gewalt in kollektiver Rede, in: ders./ Gründer, Horst/ Ketelsen, Uwe-K. (Hg.): Kolonialismus. Kolonialdiskurs und Genozid, München: Wilhelm Fink 2004, S. 185-215 (M. Brehl).
• „Diese Schwarzen haben vor Gott und Menschen den Tod verdient“. Der Völkermord an den Herero 1904 und seine zeitgenössische Legitimation, in: Völkermord. Genozid und Kriegsverbrechen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hrsg. im Auftrag des Fritz Bauer Instituts von Irmtrud Wojak und Susanne Meinl, Frankfurt am Main: Campus 2004, S. 77-97 (M. Brehl).
• German and Portuguese colonial ambitions as mirrored in early pictorial documents from the Kavango Region, in: Wolfram Hartmann, (ed.), Hues between black and white. Historical photography from colonial Namibia 1860s to 1915, Windhoek, 2004, S. 185-210 (A. Eckl).

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Bearbeiter

Dr. Andreas Eckl
Tel.: +(0)234.32.19862
Mail: andreas.eckl@rub.de

Dr. Dr. Matthias Häussler
Tel.: +(0)234.32.19862
Mail: matthias.häussler@rub.de